Hilfe bei Inkontinenz und starken Schmerzen

Robotik. Inkontinenz. Endometriose.

Robotergestützte Chirurgie in der Gynäkologie

Autor:inPetra Bäurle
Lesezeit0 Minuten

Präzise, minimalinvasiv, organerhaltend: Robotik ermöglicht besonders schonende Eingriffe

Starke Regelschmerzen, ungewollter Urinverlust, Druckgefühle im Becken: Beschwerden, die viele Frauen jahrelang stillschweigend hinnehmen. Häufig aus Scham oder aus der Überzeugung heraus, wiederkehrende Schmerzen gehörten zum Frausein oder Muttersein dazu.

Dem widerspricht Chefarzt Dr. Sonko Borstelmann vehement. Seit April 2026 leitet der 48-Jährige die Gynäkologie der Hamburger Asklepios Klinik Altona. Hier finden Patientinnen spezialisierte Hilfe – von der Beratung und Diagnostik über konservative Therapien mit Medikamenten und Physiotherapie bis zur hochpräzisen, roboterassistierten Chirurgie.

Wann ist der geeignete Zeitpunkt, die Klinik aufzusuchen? „Sobald die Beschwerden stören!“ rät der erfahrene Arzt. Wann dies der Fall sei, müsse jede Frau für sich selbst entscheiden. Das Schmerzempfinden bei Senkungsbeschwerden und die Toleranzgrenze bei Inkontinenz seien höchst individuell: „Für manche Frauen bedeutet bereits der Verlust weniger Tropfen eine nicht hinnehmbare Einschränkung ihrer Lebensqualität, andere behelfen sich mit Pessaren und Einlagen, können sich damit gut arrangieren“, so der Beckenbodenspezialist, gynäkologischer Onkologe und mehrfach ausgezeichnete Operateur.  Wichtig sei es, das eigene Wohlbefinden zu befragen.

Alle Leistungen an einem Ort

In der Asklepios Klinik Altona werden schwerpunktmäßig gynäkologische Krebserkrankungen, gutartige Wucherungen an der Gebärmutter (Myome und Endometriosen) sowie Beschwerden durch Beckenboden-Senkungen (unkontrollierter Urinverlust) behandelt. „Während viele Kliniken Standardoperationen anbieten, können unsere Patientinnen aus einem breit gefächerten, ineinandergreifenden Angebot frei wählen, das wir individuell auf sie zuschneiden“, erläutert Dr. Sonko Borstelmann. Die Angebotsvielfalt garantiert, dass auch Sonderfälle behandelt werden können. „Wir schicken niemanden weg“, verspricht Dr. Sonko Borstelmann. „Jede Patientin wird von uns beraten und gegebenenfalls untersucht, selbst wenn eine stationäre Behandlung im ersten Schritt nicht infrage kommt.“ Ziel sei immer, Frauen umfassend zu informieren, damit sie gut aufgeklärt und selbstbestimmt über die weitere Behandlung entscheiden können.

Das Spektrum umfasst

  • konservative Therapien: medikamentöse Behandlung der betroffenen Organe zur Reduktion des Blasenharndrangs, physiotherapeutische Stärkung der Haltefunktion des Beckenbodens durch kontinuierliches Training; Einsatz eines Pessars zur Stützung der abgesenkten Organe;
  • vaginal bzw. minimalinvasiv vorgenommene Operationen zum Aufbau der Harnröhre, zur Stärkung ihrer Verschlussfunktion oder zur Anhebung der gesenkten Organe;  
  • roboterassistierte Chirurgie zur nervenschonenden Operation komplexer Erkrankungen wie Krebserkrankungen, Beckenbodenrekonstruktion bei Senkungsbeschwerden oder zur organerhaltenden Entfernung von gutartigem Gewebe (Endometriose, Myome).

Jede Patientin wird von uns beraten und gegebenenfalls untersucht, selbst wenn eine stationäre Behandlung im ersten Schritt nicht infrage kommt.

Dr. med. Sonko BorstelmannChefarzt Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Asklepios Klinik Altona

Wann sollten Frauen ärztliche Hilfe suchen?

Eine gynäkologische Abklärung ist sinnvoll bei:

  • Blutungen nach den Wechseljahren
  • Senkungsbeschwerden (Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide)
  • starken oder ungewöhnlichen Regelschmerzen
  • chronischen Unterbauchschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • ungewolltem Urinverlust
  • unerfülltem Kinderwunsch

Ineinandergreifende Versorgung

Auch nach einem stationären Aufenthalt können Patientinnen in der Asklepios Klinik Altona nahtlos weiterbetreut werden: Im angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) arbeiten verschiedene Fachrichtungen eng zusammen – darunter Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Physikalische und Rehabilitative Medizin mit physiotherapeutischen Angeboten.

Für die Patientinnen bedeutet das: kurze Wege, kaum Wartezeiten und eine individuell abgestimmte Behandlung – ohne Informationsverlust zwischen den Versorgungsformen. Klinik und MVZ stehen im ständigen Austausch, sodass alle Schritte der Behandlung optimal aufeinander abgestimmt werden können.

Nach Abschluss der Behandlung bleibt die Klinik bei Bedarf mit ihren Patientinnen weiterhin im Kontakt: „Wir verlieren unsere komplexen Patientinnen nicht aus den Augen“, betont Dr. Sonko Borstelmann. „Deshalb laden wir sie nach Ablauf der medizinisch empfohlenen Frist zur Nachkontrolle in unsere Klinik ein. Erst wenn alles gut verheilt ist und unsere Patientinnen möglichst beschwerdefrei in ihren Alltag zurückkehren können, ist die Behandlung für uns abgeschlossen.“

Bild: Patientin mit Arzt im Gespräch

© iStock/Hiraman

Wenn Schmerzen oder Inkontinenz den Alltag bestimmen

Folgende Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen können ursächlich sein:

  • Endometriose: eine gutartige, oft chronische Gewebewucherung der Gebärmutterschleimhaut, die sich im Bauchraum verteilt und dort zu Beschwerden führen kann. Sie sind hormongesteuert, reagieren auf den Zyklus der Frau und können starke Schmerzen erzeugen.
  • Senkungsbeschwerden und Beckenbodenschwäche: eine Bindegewebsschwäche die zusätzlich durch körperliche Arbeit oder Schwangerschaft und Geburten, Hormonumstellung in den Wechseljahren oder Übergewicht zu einer Absenkung der Beckenorgane – Blase, Scheide, Gebärmutter und Enddarm – führen und Harn- und Stuhlinkontinenz auslösen kann.

Nicht immer ist eine Operation notwendig. Häufig helfen zunächst Physiotherapie, Beckenbodentraining oder spezielle Hilfsmittel wie Pessare. Erst wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Beschwerden fortschreiten, sollte ein Eingriff erwogen werden.

Wie äußert sich eine Endometriose?

Typische Beschwerden sind:

  • starke Regelschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • chronische Unterbauchschmerzen
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • unerfüllter Kinderwunsch

Viele Betroffene durchlaufen eine lange Leidensgeschichte, bis die Erkrankung erkannt wird, da sie nur über eine Bauchspiegelung festgestellt werden kann. Je nach Ausprägungsgrad kann sie klassisch, über eine Bauchspiegelung oder roboterassistiert behandelt werden.

Hilfe bei Beckenbodenschwäche und Inkontinenz

Die Ursachen sind vielfältig:

  • Schwangerschaften und Geburten
  • vererbte oder erworbene Bindegewebsschwäche (schweres Heben, Drücken bei Verstopfung)
  • hormonelle Veränderungen (etwa durch Wechseljahre)
  • Übergewicht

Betroffene Frauen finden in der Sprechstunde des spezialisierten Beckenbodenzentrums Hilfe. Das Zentrum stellt ein Alleinstellungsmerkmal der Asklepios Klinik Altona dar. Eingebettet in die Klinik der Maximalversorgung profitieren die Patientinnen von der langjährigen interdisziplinären Erfahrung des gynäkologischen Teams sowie dem Einsatz modernster Diagnostik und therapeutischer Behandlungsmöglichkeiten. So kann für jede Patientin eine individuell abgestimmte und bestmögliche Behandlung gefunden werden.

Zu den Leistungen gehören:

  • Beckenbodentraining: Stärkung von Muskeln und Bindegewebe über gezielte Übungen
  • Biofeedback-Verfahren: Training mithilfe spezieller Sensoren, die die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur sicht- und hörbar machen. So kann die Muskulatur gezielt wahrgenommen, an- und entspannt werden.  
  • Medikamentöse Therapien zur Beruhigung einer überaktiven Blase oder zur Unterstützung der Blasenfunktion.
  • Stärkung der Organe durch die Implantation stützender Bänder oder spezieller Polsterungen, die die Harnröhre stabilisieren und den Schließmuskel entlasten.
Bild: Frau beim Beckenbodentraining

© iStock/Eleganza

Wann kommt Robotik zum Einsatz?

Bei komplexen Tumoroperationen, stark abgesenkten Organen im Beckenboden oder einer ausgedehnten Endometriose setzt die Klinik auf robotergestützte Chirurgie. Die Asklepios Klinik Altona verfügt über zwei so genannte DaVinci-Roboter, die abteilungsübergreifend zur minimalinvasiven Behandlung von schwer zugänglichen und engen Körperregionen zum Einsatz kommen.

DaVinci-Roboter bestehen aus vier filigran einsetzbaren Armen und Händen, die gelenkiger als die menschliche Hand auch in schwer zugängliche, enge und sensible Körperregionen behutsam und sicher vordringen können. Einer der vier Arme trägt eine Kamera, die übrigen drei werden mit den für die Operation notwendigen Instrumenten bestückt. Alle vier Arme werden über einen minimalinvasiven Schnitt in den Körper der Patientin eingeführt und über eine Konsole dirigiert. Der Operateur kann die erkrankte Körperregion gezielt ansteuern, das Operationsfeld mit der Kamera bis zu 15-fach vergrößern und die pinzettenartig arbeitenden Arme millimetergenau bewegen. „Sie funktionieren wie miniaturisierte Finger, die ich zitterfrei und um ein Vielfaches gelenkiger bedienen kann als meine eigenen“, sagt Dr. Sonko Borstelmann. Ein weiterer Vorteil: „Ich muss mich mit niemandem absprechen, entsprechend kann es zu keinen Missverständnissen zwischen mir und den assistierenden Ärztinnen und Ärzten kommen. Ich kontrolliere jeden Schritt.“

Organe können erhalten werden

Die robotische Technik hilft, punktgenau organ- und funktionsschonend zu operieren. Gerade Operationen am Beckenboden gelten als besonders anspruchsvoll und erfordern höchste Präzision. Im Beckenraum verlaufen wichtige Nerven für Blasen-, Darm- und Sexualfunktion auf engstem Raum. Ihre Verletzung kann zu gravierenden Funktionsstörungen führen. „Die Robotik potenziert das ärztliche Können“, erklärt Dr. Sonko Borstelmann. „Sie ist der Schlüssel zu maximaler Präzision und Patientensicherheit.“

Nicht zuletzt: Mussten früher häufig große Schnitte getätigt oder Organe entfernt werden, können sie heute häufig erhalten werden. „Unser Ziel ist immer, so viel Funktion und Lebensqualität wie möglich zu erhalten“, betont Dr. Borstelmann. Gerade für jüngere Frauen, die die Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, ist der Organerhalt von unschätzbarer Bedeutung.

Schneller wieder auf den Beinen

Von der robotergestützten Chirurgie profitieren viele Patientinnen auch nach der Operation:

  • weniger Komplikationen durch die schonende, weniger belastende Behandlung
  • präzise Ansteuerung erkrankter Körperteile, maximal möglicher Organerhalt
  • kleinere Narben
  • weniger Schmerzen und ein geringerer Bedarf an Schmerzmitteln
  • schnellere Mobilisation und kürzere Krankenhausaufenthalte

Viele Frauen können bereits wenige Tage nach dem Eingriff wieder nach Hause. Die Kosten einer robotergestützten Operation werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Ein erfahrener Operateur mit südamerikanischen Wurzeln

Dr. Sonko Borstelmann studierte Medizin in Hamburg, absolvierte seinen Facharzt in der Gynäkologie am Klinikum in Stade, war unter anderem im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und war zuletzt acht Jahre am Hamburger Marienkrankenhaus tätig. Im April 2026 wechselte er als Chefarzt an die Asklepios Klinik Altona. Als einer der wenigen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands wurde er als MIC-III-Operateur ausgezeichnet. Das Zertifikat attestiert ein Höchstmaß an Expertise, Erfahrung und Geschick bei der Durchführung komplexer minimalinvasiver Eingriffe, der so genannten „Schlüsselloch-Chirurgie“. „Ich bin sehr praktisch veranlagt“, begründet Dr. Sonko Borstelmann bescheiden sein Ausnahme-Talent. „Ich mag es, mit den Händen zu arbeiten. Wenn ich am Ende des Tages sehen kann, dass ich einer Patientin helfen konnte, bin ich glücklich.“

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